SCHLOSS JOHANNISBERG in Berlin

Letzten Montag gab es eine fulminante Schloss Johannisberg-Probe mit Christian Witte im kleinen Kreis.

http://www.schloss-johannisberg.de

Seit Metternichs Zeiten werden die Qualitäten auf Schloss Johannisberg mit verschiedenen Farben unterschieden, früher mit Siegellack, heute mit farbigen Kapseln

  • Gelblack: Qualitätswein
  • Rotlack: Kabinett
  • Grünlack: Spätlese
  • Silberlack: 1.Gewächs
  • Rosalack: Auslese
  • Rosa-Goldlack: Beerenauslese
  • Goldlack: Trockenbeerenauslese
  • Blaulack: Eiswein

Historie

„Rund 1200 Jahre Weinbaugeschichte sind mit dem Johannisberg verbunden: eine bewegte Historie, die im Lauf der Jahrhunderte das erste Riesling-Weingut der Welt und damit eine einzigartige Weinkultur hervorbrachte, die auf dem Johannisberg bis heute Bestand hat. Als Benediktinerkloster gegründet, wird die Johannisberger Abtei schnell zum Mittelpunkt und Initiator des Rheingauer Weinbaus. Im Herzen der unterirdischen Keller-Anlage befindet sich bis heute die „Bibliotheca subterranea“, die berühmte Schatzkammer des Schlosses mit ihren kostbaren Wein-Raritäten aus mehreren Jahrhunderten.

Ab dem Jahre 1716 gehört Schloss Johannisberg dem Fürst-bischof in Fulda, der eine großzügige, dreiflügelige Schlossanlage nach dem Geschmack der Zeit errichten lässt. Diesen Besitzverhältnissen ist auch die Entdeckung der Spätlese auf Schloss Johannisberg zu verdanken: Im Jahre 1775 verspätete sich der Kurier, der in Fulda die Erlaubnis zum offiziellen Beginn der Weinlese einholen musste, um einige Wochen. Als er wieder in Johannisberg eintrifft, sind die Trauben bereits an den Rebstöcken verfault. Dem beherzten Kellermeister ist es zu verdanken, dass sie trotzdem geerntet werden und als Spätlese einen neuen Weinstil kreieren, der ab diesem Zeitpunkt auf dem Johannisberg zur Regel wird. Zwar berichten Chronisten schon 1730, dass manche Winzer „gern eine kleine Fäulnis abwarten, um zur größeren Süßigkeit der Trauben zugelangen“, dennoch bleibt 1775 das Datum, das den Beginn einer planmäßig späten Lese von edelfaulen Trauben markiert. Ein Denkmal vor der Vinothek, die alle aktuellen Weine des Schlosses zum Probieren bereithält, erinnert an dieses Ereignis, das den weltweiten Siegeszug der Spätlese begründet.

Nach der Säkularisierung durch Kaiser Napoleon und der anschließenden gemeinsamen Verwaltung durch Preußen, Russland und Österreich, gelangt das Schloss 1816 in die Hände des Staatskanzlers des österreichi-schen Kaisers, Clemens Wenzel Lothar Fürst von Metternich, der damit für seine Verdienste im Wiener Kongress belohnt wurde. Bis heute muss der Weinzehnt an das österreichische Kaiserhaus beziehungsweise dessen Rechtsnachfolger entrichtet werden. Der einflussreiche Metternich gesteht „hier eine Ruhe zu genießen, welche ich als Wohltat zu fühlen weiß, und zu diesem Genuss trägt der Charakter, welcher der Gegend angehört, das Seinige bei.

Im Zweiten Weltkrieg von Fliegerbomben getroffen und ausgebrannt, ist es Fürstin Tatiana und ihrem Mann Paul Alfons Fürst von Metternich zu verdanken, dass die beeindruckende Schlossanlage heute wieder in neuem Glanz erstrahlt. Die große alte Dame, die sich vor allem im kulturellen Bereich im Rheingau und weit darüber hinaus verdient gemacht hat, lebte bis zu ihrem Tod im Juli 2006 auf Schloss Johannisberg.“

Weinberg

„Der Johannisberg ist der Ursprung einer großen Weinkultur, die weit über die Grenzen des Rheingaus hinausreicht und Geschichte geschrieben hat. Der Berg, einer der drei Quarzithügel, die dem Taunusmassiv vorgelagert sind, scheint wie geschaffen für die in ihrer Geradlinigkeit fast schlicht anmutende Architektur des Schlosses, das mit einem sichtbaren zurückhaltenden Stolz und ohne Prunk über den Reben thront: Rheingauer Symbol für eine Lebensart, die Lust und Freude, aber auch Mühsal und Rückschläge erlebte – und sich dabei doch immer behaupten und bis heute ihren eigenständigen Charakter bewahren konnte. Johannisberger Rieslinge werden im Weinberg geboren, dort wo sie im wahrsten Sinn ihre Wurzeln haben und der Boden mit seinen geologischen, geografischen und klimatischen Besonderheiten den geschmacklichen Charakter mitbestimmt. Das Wachstum der Reben ist gleichzeitig die Geburtsstunde der Qualität, die auf Johannisberg durch ein den lokalen Besonderheiten angepasstes Weinbergmanagement unterstützt wird. Denn die Qualität der gelesenen Trauben ist entscheidend für die Qualität des Weines. Und die somit wichtigste Aufgabe auf Schloss Johannisberg ist es, nur die besten Trauben zu ernten und ihre Qualität auf dem langen Weg durch den Weinkeller zu erhalten und zu herausragenden, charaktervollen Weinen zu formen.

Im Boden ist das Gedächtnis der Natur gespeichert. Diese geografischen Eigenheiten bringen immer wiederkehrende, schmeckbare Konstanten hervor. Die bodentypischen Komponenten des Taunusquarzits mit seiner Löss- und Lehmauflage, die damit als „Sprachrohr“ des Bodens fungiert, geschmacklich darzustellen und in das Gesamtkunstwerk Wein zu integrieren, leistet die Rebsorte Riesling auf dem Johannisberg. Seit rund 300 Jahren dominiert der Riesling und garantiert den unverwechselbaren Charakter seiner Herkunft im Zusammenspiel der besonderen klimatischen Bedingungen mit den Erfahrungen einer langen Weinbautradition auf Schloss Johannisberg. Damit ist das Weingut ein monumentales Gedächtnis für die Vielfalt des Rieslings, der rund um das Schloss auf dem 50sten Breitengrad seine Heimat gefunden hat.“

Intro

Ich hab mich sehr auf die Probe gefreut, da die Rieslinge von Christian Witte bei der VDP GG-Vorpremiere in Wiesbaden und auch beim „BerlinRieslingCup“ immer unter Wert geschlagen werden.  Die zarten&eleganten&subtilen Weine von Schloss Johannisberg werden von den kraftvolleren Vertretern aus Nahe, Rheinhessen, Pfalz immer an den Rand gedrängt.

2012 Gelblack trocken

Das Weingut mit seinen 35ha (ohne Mumm) produziert insgesamt 240.000 Flaschen. Der Gelblack kommt immer als erstes auf den Markt (im Mai). Trauben werden nicht zugekauft. 90% Stahl und 10% Holz. Dieser QbA ist frisch&knackig und geradlinig. Überzeugende Harmonie.

2012 Rotlack Kabinett trocken

11,5% und ausgebaut in 70% Stahl und 30% Holz. Hier zeigen sich schon die typischen Merkmale von Schloss Johannisberg, d.h. Eleganz&Filigranität und Balance. Hervorragender Essensbegleiter. Dazu noch drive&kick.

2005 Rotlack Kabinett feinherb

Jahrgangstypische Fülle&Schmelz und 12% incl. 10-20g RZ . „Zart-bittere Noten von Pomeranze“ (Till Ehrlich) und Aromen von Dörrobst. Trotz aller Üppigkeit in der Frucht zeigt er doch Leichtigkeit und bietet viel, viel Trinkspaß. Gute Länge. Ein echter Partywein!  91/100

2012 Rotlack Kabinett feinherb

11% und mit überzeugender Frische&Rasse und tiefer Mineralik.

2005 Silberlack Erstes Gewächs

Erster Jahrgang von Christian Witte. 60% Holz und 40% Stahl. Zeigt wieder die jahrgangstypische Fülle, Schmelz und Cremigkeit. Dazu Würze und Mineralität. Alles sehr rund und harmonisch mit einer gewissen Süffigkeit.  Fein, fein.  91-92/100

2008 Silberlack Erstes Gewächs

Typisch 2008, prägnante Rasse und Klarheit. Der bleibt die nächsten 10 Jahre so.

2010 Silberlack Erstes Gewächs

Aromatik von Kräuter, Limone, grüner Tee und langes balanciertes Finish. Und die jahrgangsypsichen Charakteristika von Klarheit, Präzision, Rasse und prägnanter Säure und Mineralität. Mal wieder ein wunderbares Beispiel warum 2010 zu meinen Lieblingsjahrgängen zählt.  Grandios!  92-93/100

2011 Silberlack Erstes Gewächs

Klar, wir haben hier mehr Dichte&Fülle als 2010. Trotz aller leichten Barockheit gefällt mir auch der 11er. Wieder diese feine Würze&Mineralität mit guter Länge.

2012 Silberlack Erstes Gewächs

KORK  Egal, 2012 kann man blind kaufen.

1943 Weisslack Spätlese

„Eine Praline ohne Schokolade“  Anja Schröder/Planet Wein

„70 Jahre jung“ Paul Truszkowski/Wine in Black+Winevibes+Nordenberlin

Gigantisch! Sooo jung und frisch. 9% mit einer imposanten Säure&Rasse und einer gewissen Frische noch. Aromatik von Walnüsse, Dörrobst und nur ganz leicht oxidative Elemente. Mamma mia, was für ein Erlebnis……….

2005 Grünlack Spätlese

Tolle Mischung aus Fülle&Mineralität.   93/100

2008 Grünlack Spätlese

WOW……..großes Kino! Genialer Stoff!! Frucht&Säure schenken sich nichts. Beides sehr ausgeprägt bzw. dominierend und in perfekter Harmonie. UND auch Süssweine haben Mineralität.  94/100

2010 Grünlack Spätlese

Das zischt richtig!  11%   93/100

Sorry, je später der Abend, desto spärlicher die Notizen.

2012 Grünlack Spätlese

Da paßt alles. Struktur&Tiefe&Frucht und Säure.  KAUFEN

Mein besonderer Dank gilt Christian Witte für diese ganz wunderbare Probe. Die Rieslinge haben eindrucksvoll demonstriert warum Schloss Johannisberg Kultstatus im Ausland genießt.  Die Weine sollten in keinem Weinkeller fehlen.

Impressionen vom Captain:

http://www.captaincork.com/Weine/riesling-schloss-johannisberg-rotlack-silberlack-gruenlack-weintipp

SJ

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Dieser Beitrag wurde am 23. November 2013 um 09:52 veröffentlicht und ist unter Allgemein abgelegt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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